Monschau - Marathon
Run and Walk in Nature

Es war schon ein wenig verrückt: eine 3-stündige Führung im Deutsch – Belgischen Naturpark Hohes Venn, Europas einzigartigem Hochmoorgebiet und überdimensionalem Wasserspeicher, und das am Nachmittag vor dem großen Tag, nach dem wir uns gesehnt und den wir zugleich gefürchtet hatten. Eine Besichtigungstour - gehen und stehenbleiben, schauen und weitergehen - ermüdet. Das macht man einfach nicht vor einem Marathon. Aber die Damen von den Sauparkwalkern der LLG Springe ließen sich nicht davon abbringen. Schließlich waren wir zum ersten Mal hier, in der Nordeifel zum Monschau – Marathon.

Im Osten des Hohen Venns schließt sich die Rureifel mit großen Wäldern und dem tief eingeschnittenen Rurtal an. In einem kleinen Hotel in Woffelsbach direkt am Rursee hatten wir uns einquartiert. Wir waren überwältigt von diesem wunderschönen See mit vielen stillen Buchten in einer reizvollen Landschaft.

Es war sehr schwül an diesem Tag. Der Wunsch nach einem reinigendem Gewitter wurde erfüllt, als wir schon in den Betten lagen. Ein mächtiger Donnerschlag ließ uns noch einmal senkrecht aufsitzen. Dann schliefen wir. Um 4:30 Uhr klingelte der Wecker. Der Wirt hatte uns ein kräftiges Frühstück am Abend zuvor bereitgestellt, auch mit viel Obst nach Ellens besonderem Wunsch. Nur den Lichtschalter fanden wir nicht, doch Monika fand 5 Teelichter. So wurde das Frühstück zum urigen Candle-light-Dinner.
Eine knappe halbe Stunde Autofahrt zum Start nach Konzen. Walker oder Marschierer, die Walken mit Laufen kombinieren wollten, starteten individuell zwischen 6:00 und 7:15 Uhr.

Vor uns hatte sich schon eine Warteschlange gebildet. Ähnlich, wie beim Radzeitfahren wurde jeder einzeln auf die Strecke geschickt, denn Eingabe von Startnummer und Uhrzeit in den Computer erfordern ein paar Sekunden für jeden. Um 6:13 war es soweit. Vier Saupark-Walker waren auf der Strecke.

Wer waren die Vier?
Ellen Meyer, Debütantin auf der Marathonstrecke, betreibt seit 2 Jahren das Nordic Walken bei der LLG Springe und erzielte beim Harzgebirgslauf über 25 Km Walken im letzten Jahr den 1. Platz unter den Frauen.
Evi Hofmann, Debütantin auf der Marathonstrecke, betreibt seit 3 Jahren das Nordic Walken bei der LLG Springe und erzielte beim Harzgebirgslauf über 25 Km Walken im letzten Jahr den 2. Platz unter den Frauen.
Monika Bönsch, ehemals Marathon- und Ultramarathonläuferin seit vielen Jahren, hatte massgeblichen Anteil am Aufbau der Walkinggruppe der LLG Springe.
Hans-Jürgen Lühring probierte bereits vor 4 Jahren das Nordic Walken mit Ski-Stöcken aus, als es noch Probleme gab, Nordic Walking-Stöcke zu besorgen. Mit ca. 80 Marathon-und Ultramarathonläufen immer noch auf der Suche nach der Erkenntnis: wie laufe oder walke ich einen Marathon mit Genuss. Um es vorwegzunehmen, bei diesem Marathon hat er sie gefunden.
Und da war noch eine: Monika Baumeister, erfahrene Marathonläuferin, läuft und walkt, verzichtete auf die Wanderung durchs Hochmoor am Tage zuvor. Sie hatte mit ihrem Klaus woanders genächtigt und war bereits um 6 Uhr gestartet.
Mit dem Start löste sich die Anspannung der letzten Tage schlagartig. Das nächtliche Gewitter hatte die Luft gereinigt. Die Strecke führte zunächst hinunter in die romantisch-malerische Stadt Monschau, die wir nach ca. 3 Km noch im Morgengrauen erreichten. Die Stadt schien zu schlafen. Nur auf dem Markt klatschten ein paar Zuschauer. Die Stadt im vollständig erhaltenen historischen Ortskern wie vor über 250 Jahren ließ uns vergessen, daß wir auf Marathonkurs waren. Wir verweilten und schauten: Jedes Gewässer, jeder Platz, jedes Haus erschien uns märchenhaft. Dann ging es leicht bergab durchs Rosenthal bis zu einer Holzbrücke über die Rur, die wir bei Km 7,5 erreichten. Nach einem ersten harten Anstieg hinter der Brücke konnten wir gleich anschließend den großartigen Blick ins tiefe Rurtal und auf die bewaldeten Höhen genießen. Herrliche Luft auf der leicht ansteigenden Waldetappe bis zum kleinen Dorf Widdau mit der 10 Km-Getränkestation vor einem wunderschönen Fachwerkhaus. Morgenstille im folgenden Rohrener Wald und immer wieder atemberaubende Aussichten. Im Hölderbachtal erlebten wir die mächtigste Steigung der Strecke zwischen Km 12 und 14. Der große Verpflegungsstand bei Km 14 gab dann wieder neue frische Kraft. Bei KM 19 war die Höhe erreicht (ca. 500m), wo ein angenehmer Wind die aufkommende Hitze erträglich machte.
Bei Km 21 überquerten wir die B258. Viele Autos standen hier. Große Zuschauermassen spendeten Beifall . Getränke, Obst, allerlei Riegel und Schwämme wurden gespendet. Klaus Baumeister war plötzlich unter uns und bestätigte uns, daß Monika schon durch war. Bei Km 21,1 war die Hälfte der Strecke geschafft, die Uhr zeigte 3:07 Stunden. Das anschließende Perlbach- und Fuhrtsbachtal war wieder eine Augenweide, ein Naturerlebnis des Naturparks Nordeifel. Ab Ortsbegin Kalterherberg bei Km 28 begann ein unbeschreibliches Schaulaufen. Der ganze Ort war im Einsatz. Oma, Opa und vor allem die Kinder taten ihr möglichstes, um die Marschierer und Läufer zu stärken und zu ermutigen. Getränke aller Art, Obst, Müsliriegel, Schokolade und Honig gab es im Überfluss. Gartensprühanlagen und Duschen sorgten für Kühlung.
4 Km vor dem Ziel Volksfest in Lauscheit. Hunderte kleine und große Hände klatschten. Wir waren gerührt. Km 41: Lautsprechergetöse – der Kirchturm von Konzen wurde sichtbar – ein Km noch. Waren wir wirklich schon da? Wo war der sprichwörtliche Mann mit dem Hammer? Er war ausgeblieben, oder gibt es ihn nicht beim Nordic Walking?. Wir stürmten dem Ziel entgegen. Evi entdeckte ihren Mann, mit Fotoapparat sehnsüchtig nach uns Ausschau haltend. Sie rief, er sah uns in dem Trubel erst, als wir vorbei waren. Das Zielfoto entfiel. Die Zeit 6:09:13 für uns alle vier. Auf der zweiten Hälfte waren wir 5 Minuten schneller gewesen, obgleich es zum Schluß tropisch heiß geworden war.

Wir waren glücklich. Was für ein Fest. Diese Begeisterung ! Könnten sich doch zu Hause die Springer mit unserer Veranstaltung auch so identifizieren.
Auch Monika Baumeister hatte uns im Ziel schon erwartet. Mit 5:55:43 war sie deutlich unter 6 Stunden geblieben. Damit muß sie nun leben. Denn ab jetzt wird sie gejagt.

Im Zielbereich begann der zweite Teil der Marathon-Veranstaltung, das Marathon-Dorf-Fest mit Läufern, Walkern, alten Freunden, Bekannten, Begleitern und der Dorfbevölkerung aus Konzen.

Wir verabschiedeten uns bald. Denn es gab ja auch noch unsere Herberge am idyllischen Rursee, und der lud zum Bade ein.

Ein riesiger Blaubeerbecher am Nachmittag und ein gemeinsames Abendessen in einem schicken Restaurant war die Belohnung.

Wir waren selig, nur Evis Mann, der das ganze Geschehen miterlebt, uns betreut und überall gefahren hatte, war ein wenig wehmütig, wäre er doch auch gelaufen – natürlich gelaufen und nicht gewalkt.


Ein Abschiedsfoto vor dem Hoteleingang

Nach dem Frühstück ging es heimwärts. Er solle doch noch mal durch das zauberhafte Monschau fahren. Aber da sagte der Doktor. "Brauchen wir nicht, wir kommen ja wieder".
Und da bin ich sicher. Nächster Termin: 14. August 2005, 6:00 Uhr. Wir sind wieder dabei, und der Doktor läuft spätestens dann seinen ersten Marathon.


Idylle in Monschau - So stellen wir uns den Lebensabend vor

Es war unbegreiflich, wie problemlos alle vier diesen Marathon absolviert hatten. Immerhin waren mit Ellen und Evi zwei Neulinge dabei. Man hatte den Eindruck, daß sie bei 42,2 Kilometern ihre Leistungsgrenze überhaupt noch nicht erreicht hatten. Ausdauertraining mit Trainingseinheiten von bis zu 4 Stunden und Selbstdisziplin, besonders auch im Hinblick auf die Ernährung, waren Grundvoraussetzung für diesen Erfolg, über den sich auch die "Alt-Marathonis" freuten, durften sie ihnen doch im Laufe der Vorbereitung so manch nützliche Ratschläge erteilen.

Für mich aber war es der schönste Marathon.

Hans-Jürgen Lühring